Erstellung Archäologischer Stadtkataster für die Innenstadt Münchens soll fortgesetzt werden

Insbesondere sollen Verzögerungen bei innerstädtischen Baumaßnahmen durch sonst überraschend aufgetretene archäologische Funde vermieden werden

[Münchner Partner, 28.03.2012] Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung hat die Erstellung einer archäologischen Kartierung der Münchner Altstadt veranlasst:
Diese Kartierung ist eine Serviceleistung für die Planenden und Bauherrschaften. Sie hilft Verzögerungen bei innerstädtischen Baumaßnahmen durch überraschend aufgetretene archäologische Funde zu vermeiden. Gleichzeitig ergeben sollen sich dadurch wertvolle Erkenntnisse zur Stadtgeschichte ergeben.
Beauftragt seit 2001 mit den Kartierungsarbeiten ist der Regensburger Archäologe Dr. Christian Behrer. Der Bearbeitungsstand des archäologischen Stadtkatasters 2011 umfasste das Gebiet nördlich des Tals innerhalb der ehemaligen Befestigungsgrenzen und somit das mittelalterliche Stadterweiterungsgebiet des Graggenauer Viertels.
Bereits in den Jahren 2008 bis 2010 waren der Bereich um den Viktualienmarkt sowie die östlich angrenzenden Straßenzüge südlich und die direkt nördlich anschließenden Bebauungsblöcke entlang des Tals bearbeitet worden.
Der bisher erarbeitete Archäologische Stadtkataster für die Innenstadt Münchens (ältester Stadtkern, Hacken-, Anger- und Teile des Graggenauer Viertels) konnte in verschiedenen Bauverfahren wiederholt erfolgreich Anwendung finden. Zu nennen sind beispielsweise die archäologischen Untersuchungen im Anwesen Augustinerstraße 1 / Frauenplatz 2 und auf dem Gelände des ehemaligen Süddeutschen Verlags. Durch die Untersuchungen konnten wichtige Erkenntnissen zur mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Siedlungsgeschichte Münchens gewonnen werden. In der Westenriederstraße 10/12 fand man die noch erhaltenen unteren Steinlagen der spätmittelalterlichen Zwingermauer. Der Fund von Resten der Stadtmauer ist immer von herausragender Bedeutung, da die Stadtmauer nicht nur zu den wenigen erhaltenen mittelalterlichen Baurelikten Münchens zählen, sondern zugleich auch eine bauliche Manifestation des Markt- und Stadtrechtes darstellen, also die Stadt München im rechtlichen Sinne definieren. Die bei den Untersuchungen im Innenhof des Anwesens Maximilianstraße 6/8 angetroffenen Stadtmauerreste übertrafen in Erhaltung und Qualität alle bisher zur Stadtbefestigung gemachten Befunde. Zur erfolgreichen Anwendung kam der archäologische Stadtkataster auch beim Ausbau des Fernwärmenetzes durch die Stadtwerke.
Herausragende Grabungsbefunde stellen zum Beispiel die Färberöfen der Zeit um 1500 in der Sattlerstraße, eine fundreiche Latrine des 13. Jahrhunderts in der Schrammerstraße oder eine Kulturschicht des 12./13. Jahrhunderts in der Prannerstraße dar.
Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung beabsichtigt, die archäologischen Forschungsarbeiten für die noch nicht kartierten Flächen der Altstadt nach Durchführung eines Ausschreibungsverfahrens noch 2012 in Auftrag zu geben.

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